Die Stadt der Toten

Geografisch klassifiziert mit den wichtigsten Mausoleen an jedem Standort:

Der südliche Friedhof: El Imam El Shafi’i und Mohammed Ali

Der nördliche Friedhof: Ashraf Barsbay und Qaitbay

Weitere: Der Friedhof am Fuße der Zitadelle sowie jene gegenüber von Bab El Futuh und Bab El Nasr.

Touristen empfinden es oft als unangenehm, die beeindruckende Begräbnisarchitektur der Friedhöfe zu besichtigen, während dort Menschen in und um die Gräber leben. Doch bitte bedenken Sie: Diese Menschen wurden einst durch Armut gezwungen, hier zu leben, haben sich aber mittlerweile bewusst für ein Leben dort entschieden. Sie sind äußerst freundlich.

Für viele Einwohner Kairos ist die Stadt der Toten ein geheimnisvoller Ort. Sie wissen von ihrer Existenz, doch nur wenige verstehen die Weite dieser riesigen Friedhöfe, die sich entlang der Basis der Muqattam-Hügel erstrecken. Vom Highway aus wirkt die Stadt der Toten geordnet und fügt sich farblich in die sandige Landschaft der fernen Zitadelle ein. Doch innerhalb der Friedhöfe spiegelt sich Jahrhunderte alte Kairoer Geschichte wider. Seit dem 7. Jahrhundert n. Chr. wählten die Herrscher Ägyptens dieses Gebiet als Begräbnisstätte außerhalb der überfüllten Stadt. Hier wurden arabische Eroberer, Fatimiden, Abbasiden, Ayyubiden, Mamluken, Osmanen und viele weitere Dynastien begraben.

Inmitten dieser Friedhöfe lebt eine Gemeinschaft von Ägyptens Stadtarmen, die eine illegale, aber geduldete Gesellschaft bildet. Mehr als eine Million Ägypter leben hier und haben ihre eigene Infrastruktur aufgebaut.

Die Friedhöfe der Stadt der Toten unterscheiden sich stark vom westlichen Konzept eines Friedhofs. Traditionell begraben die Ägypter ihre Toten in unterirdischen, raumähnlichen Grabkammern, in denen die Verstorbenen von Wänden umschlossen sind. Dies ermöglicht es wohnungslosen Familien, diese Räume zu bewohnen. Nach Kairoer Standards sind diese Viertel arm und gesellschaftlich gering geschätzt. Doch sie verfügen über Geschäfte, Schulen, Elektrizität und teilweise sogar fließendes Wasser und Abwassersysteme.

In der ägyptischen Kultur gelten Friedhöfe nicht nur als Orte der Toten, sondern als lebendige Teile der Gesellschaft. Die alten Ägypter glaubten, dass das Leben nach dem Tod hier beginnt. Aufgrund der Wohnungsnot in Ägypten haben viele arme Menschen die Grabräume zu ihren dauerhaften Wohnungen umgestaltet. Sie nutzen Grabsteine als Tische oder Regale, hängen Wäscheleinen zwischen den Gräbern auf und zapfen Strom aus nahegelegenen Moscheen.

Die Stadt der Toten ist für ihre Bewohner ideal, da die Gebäude bereits existieren, erschwinglich und teilweise ausgestattet sind. Doch das Leben hier hat auch Schattenseiten: Kakerlaken, Mücken, Fliegen und anderes Ungeziefer sind allgegenwärtig. Zudem ist der Gestank von Müll und Abwasser oft unerträglich. Trotz dieser Widrigkeiten bemühen sich die Menschen um ein besseres Leben.

Heute wächst die Bevölkerung der Stadt der Toten rasant durch ländliche Migration und die sich verschärfende Wohnraumkrise. Am besten besucht man das Viertel an einem Freitag, wenn viele Kairoer die Familiengräber besuchen.

Sehenswürdigkeiten

Die zwei großen Friedhöfe, die sich von der Zitadelle bis zu den neuen Slums unterhalb des Muqattam erstrecken:

Der südliche Friedhof:

Mohammed Alis Familiengräber: Dieses bedeutende Monument wird selten erwähnt oder besucht, wohl aufgrund seiner Lage und der schwierigen Zugänglichkeit. Dennoch ist es ein Muss für Liebhaber islamischer Architektur. Mohammed Ali (Regierungszeit: 1805-1848) kümmerte sich sehr um seine Familie, insbesondere um die Bildung seiner Kinder. Das Mausoleum, „Hosh al-Pasha“ (Hof des Paschas), wurde 1854 erbaut und beherbergt die Gräber seiner Ehefrauen, Kinder, treuen Diener und Berater.

Der sechskuppelige Komplex ist trotz seines Verfalls immer noch beeindruckend. Seine mit Gipsornamenten verzierten Fenster lassen durch farbiges Glas wunderschönes Licht in die Räume. Die Innenräume sind mit prächtigen Inschriften, Marmorarbeiten und farbenfrohen Deckenmalereien geschmückt. Besonders bemerkenswert sind die kunstvoll geschnitzten Kenotaphe, die mit Blumen, Girlanden und Goldverzierungen versehen sind.

Das Mausoleum von Imam al-Shafi’i: Der Imam al-Shafi’i war der Gründer einer der vier sunnitischen Rechtsschulen und gilt als einer der großen islamischen Heiligen. Sein Mausoleum aus dem 9. Jahrhundert ist das größte freistehende Mausoleum Ägyptens.

Der nördliche Friedhof:

Moschee und Mausoleum von Sultan Qaitbay: Qaitbay, ein Mamluken-Sultan, war nicht nur ein strenger Herrscher, sondern auch ein Kunstliebhaber. Seine Moschee, erbaut 1474, gilt als Höhepunkt der islamischen Architektur in Kairo. Besonders beeindruckend ist die filigran verzierte Kuppel mit den feinsten floralen Ornamenten der islamischen Welt.

Der Komplex von Farag Ibn Barquq: Dieses Mausoleum aus dem Jahr 1411 zeichnet sich durch seine perfekte Symmetrie mit Zwillingsminaretten und Kuppeln aus. Das Kloster (Khanqah) innerhalb des Komplexes hat imposante Fassaden und massive Steinkuppeln mit kunstvollen Deckenmalereien.

Der Komplex von Ashraf Barsbay: Dieser befindet sich zwischen dem Grabmal von Barquq und der Moschee von Qaitbay. Besonders hervorzuheben sind die mit Sternmotiven verzierte Kuppel, das Marmorpflaster und die kunstvoll verzierte Minbar (Kanzel) mit Elfenbeinintarsien.

Der Freitagsmarkt: Kairos Version eines Flohmarktes. Hier findet man alles – von Gebrauchtwaren über Antiquitäten bis hin zu skurrilen Sammlerstücken.

Eine Familienwohnung in den Gräbern:

Sobhi, ein Bilderrahmenmacher, lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem Grabraum. Er sagt: „Wir sind durch die Wohnungsnot hierhergekommen. Erst dachten wir, es sei eine vorübergehende Lösung, doch dann haben wir uns entschieden, hier zu bleiben. Die Menschen sind freundlich, wir unterstützen uns gegenseitig.“ Besucher können mit den Bewohnern sprechen, ihre Mentalität, Bräuche und Lebensweise kennenlernen. Viele Touristen sind überrascht, wie sehr sie diesen Besuch schätzen.

Glasbläser-Werkstätten: Hier wird recyceltes Glas in kunstvolle Ornamente verwandelt. Jedes Stück ist handgefertigt und in verschiedenen Farben und Formen erhältlich.